
Ultra-Low-Power-Oszillator
Wie
man sieht, ist der astabile Multivibrator extrem hochohmig aufgebaut.
Damit die Schaltung trotz der kleinen frequenzbestimmenden
Kondensatoren noch zuverlässig anschwingt, wurden
HF-Transistoren eingesetzt. Durch die hochohmigen Arbeitswiderstände
beträgt die Stromaufnahme der Schaltung nur ca. 20 µA bei
einer Schwingfrequenz im kHz-Bereich. Die Ausgänge steuern zwei
MOSFETs im Gegentakt an. Die verwendeten MOSFETs zeichnen sich durch
eine geringe Steuerspannung und eine geringe Gate-Kapazität aus.
Mit einem Kanalwiderstand von wenigen Ohm können die MOSFETs
problemlos einige 100 mA liefern. Durch die Arbeitswiderstände
R1 und R3 können die Gates der MOSFETs nur relativ langsam
aufgeladen werden. Dadurch ist die Größe der MOSFETs und
die Schwingfrequenz zwar stark begrenzt, der Vorteil ist aber, dass
sichergestellt ist, dass die Einschaltphasen der MOSFETs durch eine
großzügige Totzeit voneinander getrennt sind.
Um T3
richtig durchschalten zu können, wird eine erhöhte
Gatespannung benötigt. Diese wird von C3 geliefert, während
T4 sperrt. Die erhöhte Gatespannung verlängert die Ladezeit
von C1, der zum Ausgleich nur halb so groß wie C2 ist. Dadurch
erhält man trotz der Asymmetrie der Schaltung noch eine
einigermaßen symmetrische Rechteckspannung.
Rechts im Bild ist eine
verbesserte Version der Schaltung mit einer als Spannungsverdoppler
geschalteten Ladungspumpe zu sehen. Leider ist das Anschwingverhalten
der klassischen
Multivibratorschaltung etwas kritisch. Ist die Stromverstärkung der
Transistoren zu klein, können diese nicht mehr bis zum Ende der
Leitphase richtig durchschalten. Die Recheckspannung wird
dementsprechend unsauber. Ist die Stromverstärkung zu hoch, schalten
die Transistoren zwar richtig durch, können wegen der Übersättigung im
statischen Betrieb aber nicht verstärken. Die ausbleibende Mitkopplung
verhindert dann ein sicheres Anschwingen des Oszillators. Um das
Anschwingverhalten des Oszillators zu
verbessern, sind
die Widerstände R5 und R6 jeweils zwischen Basis und Kollektor der
Oszillator-Transistoren geschaltet. Damit ist sichergestellt, dass sich
die Transistoren, wenn der Oszillator noch nicht angeschwungen ist, in
einem für die Mitkopplung günstigen Arbeitspunkt befinden. Ein sauberes
Schalten der Transistoren und der MOSFETs ist in diesem Modus jedoch
nicht möglich. Dadurch kann die Stromaufnahme der Schaltung erheblich
steigen. Deshalb schaltet ein P-Kanal-MOSFET nach dem Anschwingen des
Oszillators zwei weitere Basiswiderstände für die Transistoren gegen
+9V zu. So können die Transistoren bis zur folgenden Sperrphase sauber
durchschalten. Die verwendeten Schottky-Dioden sind zwar etwas
überdimensioniert, ermöglichen aber eine geringe Verlustspannung. Im
Normalfall wird eine BAT42 ausreichen.
L-C-Sinusoszillatoren
für höhere Betriebsspannungen und/oder Leistungen werden
auch im Zeitalter der MOSFETs traditionell immer noch vorzugsweise
mit bipolaren Transistoren aufgebaut. Diese haben den Vorteil, dass
die steile Kennlinie der B-E-Strecke beim Anlegen der rückgekoppelten
Schwingkreisspannung ein relativ steilflankiges Ein- und Ausschalten
des Transistors erlaubt, was für einen guten Wirkungsgrad von
großer Bedeutung ist. MOSFETs lassen sich zwar mit deutlich
höheren Frequenzen und im Niedervoltbereich auch mit deutlich
höheren Strömen betreiben, bei einfachen
Oszillatorschaltungen wirkt sich aber ihre recht flache
Übertragungskennlinie störend aus. Zwischen der
Schwellspannung des MOSFETs und der vollständigen Durchsteuerung
liegen meistens mehr als 5 Volt. Ein sauberes Ein- und Ausschalten
mit Hilfe der rückgekoppelten mehr oder weniger sinusförmigen
Schwingkreisspannung ist da kaum noch möglich. Um dennoch
MOSFETs für effiziente Oszillatoren einsetzen zu können,
kann man die Rückkopplungsspannung sehr hoch wählen. Die
meisten MOSFETs vertragen aber kaum mehr als +/- 20V Gatespannung,
sodass die Rückgekoppelte Spannung rund 25 Vss nicht übersteigen
darf. Wählt man nun die Rückkopplungsspannung deutlich
höher, muss sie auf diesen Wert begrenzt werden. Das ist
aber nicht so einfach, wie man meinen könnte. Einerseits muss
die Rückkopplung niederohmig sein, damit sie einen kräftigen
Gatestrom liefern und den MOSFET schnell und sauber schalten kann und
andererseits würde die einfache Begrenzung eines niederohmigen
Steuersignales, z.B. mittels einer Zenerdiode bei hoher
Steuerspannung erhebliche Verluste verursachen. Dieses Problem lässt
sich mit folgender Schaltung relativ einfach lösen:

MOSFET-Sinusoszillator
mit hohem Wirkungsgrad
Den
aktiven Teil des Oszillators bildet der MOSFET T1. W1 und C1 bilden
den frequenzbestimmenden Schwingkreis. R1 liefert die
Gate-Vorspannung für T1, die von ZD2 auf 10 V begrenzt wird. In
der Anschwingphase ist T2 zunächst leitend und verbindet das
Gate von T1 über R3 und C2 niederohmig mit der rückgekoppelten
Spannung aus W2. Der Oszillator beginnt, wie gewohnt, zu schwingen.
Dabei steigt der Drainstrom von T1 mit jeder Periode, bis er von R4
und T3 auf ca. 3 A begrenzt wird (der Wert von R4 muss der
jeweiligen Anwendung angepasst werden). Durch den Einsatz der
Strombegrenzung verschiebt sich der Gleichspannungswert der
Gatespannung durch Ladung von C2 ins Negative. Dadurch stellt sich am
Gate von T1 eine Spannung ein, deren positiver Spitzenwert gerade
ausreicht, T1 richtig durchzuschalten. Der negative DC-Anteil gelangt
über R2 auf das Gate von T2 und wird dort von ZD1 auf -3V
begrenzt. Sobald sich die Gatespannung von T1 von oben der Nulllinie
nähert, beginnt T2 zu sperren und trennt so die rückgekoppelte
Spannung vom Gate des T1. Da T2 eine Sperrspannung von 200 Volt hat,
darf die rückgekoppelte Spannung Werte bis etwa 200 Vss
erreichen. C2 lädt sich durch den Kollektorstrom von T3 soweit
auf, dass die positive Spitze der rückgekoppelten Sinusspannung
gerade ausreicht, den MOSFET voll durchzuschalten. Wenn man W2 nun so
dimensioniert, dass im stationären Schwingbetrieb etwa 150...200
Vss anliegen, erhält man eine ausgesprochen steilflankige
Gateansteuerung von T1 mit entsprechend gutem Wirkungsgrad.
Zu
achten ist auf eine gute Kopplung von W1 und W2, damit die
Gatespannung für T1 ausreichend niederohmig ausgekoppelt werden
kann.
Wegen
des Source-Widerstandes R4, an dem bis zu 0,7 V abfallen können,
empfiehlt sich diese Schaltung nicht für Betriebsspannungen
unter 12 Volt zu verwenden, da sonst der Wirkungsgrad erheblich
leiden würde.
Je
nach Stromflusswinkel ergibt sich eine mehr oder weniger starke
Abplattung des unteren Scheitels der Sinusspannung am Schwingkreis.
Der Stromflusswinkel hängt wiederum von der
Strombegrenzumg, der Betriebsspannung und der Impedanz des
Schwingkreises ab. Je größer die Impedanz, je niedriger
die Betriebsspannung und je höher der Einsatz der
Strombegrenzung, desto platter der untere Scheitel. Im Extremfall
kann der Sinus zu einem schmalen positiven Impuls entarten, wie es
auch in Zeilenendstufen von CRT-Monitoren der Fall ist. Der andere
Extremfall ist ein sehr kleiner Stromflusswinkel, bei dem die
Abweichung von der Sinusform kaum sichtbar ist. Die Energiezufuhr
während des Stromflusses ist durch die Strombegrenzung
festgelegt. Wenn der Schwingkreis nur unwesentlich gedämpft ist,
wird die während der Stromflussphase in den Schwingkreis
eingekoppelte Energie zu Beginn der nächsten Stromflussphase
zunächst wieder in die Spannungsquelle zurückgeführt,
bevor sie am Ende der Stromflussphase wieder in den Schwingkreis
zurückwandert. Im Idealfall (ungedämpfter Schwingkreis)
beginnt der Stromfluss mit seinem negativen Maximalwert und steigt
linear an. Beim halben Stromflusswinkel gibt es einen
Vorzeichenwechsel, verbunden mit der Richtungsumkehr des
Energieflusses. Beim positiven Maximalwert des Stromes setzt die
Strombegrenzung ein und beendet die Stromflussphase. Eine
Amplitudenregelung ist i.d.R. Nicht notwendig, da sich der
Scheitelwert automatisch auf den Wert der Betriebsspanung einstellt.
Manchmal ist es erwünscht, Eine Schwingkreisspule ohne Kopplungswicklung oder Anzapfung zu verwenden. Die bekannteste Oszillatorschaltung dafür ist der Collpits-Oszillator. Wegen seiner Funktionsweise hat er aber keinen hohen Wirkungsgrad und ist daher nur für kleine Leistungen brauchbar. Eine andere weniger bekannte Schaltung benötigt außer dem Schwingkreis nur zwei bipolare Transistoren und einen Widerstand, ist aber nur für Kleinsignalanwendungen geeignet. Eine interessante messtechnische Anwendung dieser Schaltung ist das Induktivitätsmeßgerät. Mit MOSFETs lassen sich auch zweipolige Oszillatorschaltungen höherer Leistung realisieren, wie die folgende Schaltung zeigt:

Zweipoliger MOSFET-Sinusoszillator mit hohem
Wirkungsgrad
Die
Rückkopplung erfolgt hier direkt über den Drain von T1. C2
und C3 bilden einen kapazitiven Spannungsteiler, der die
Schwingkreisspannung durch vier teilt.
Bei
Betrieb an gesiebter Netzgleichspannung ist an C3 im stationären
Betrieb eine Spannung von ca. 160 Vss zu erwarten. Zur Entlastung des
hochohmigen kapazitiven Spannungsteilers wird die Spannung an C3 mit
dem Sourcefolger T2 niederohmig auf den Source von T1
zurückgekoppelt. Dieser arbeitet in Gateschaltung und sorgt für
die nötige Spannungsverstärkung zur Erfüllung der
(An)Schwingbedingung. Nach dem Einschalten wird das Gate von T2 über
R5 auf null Volt geladen. Die feste Gatespannung von T1 (12 V) reicht
dann aus, um T1 und T2 in einen halboffenen Zustand zu versetzen,
sodass diese als Verstärker arbeiten können.
Die
automatische Einstellung des DC-Anteiles am Gate von T2 funktioniert
genauso wie bei der vorherigen Schaltung mit Rückkopplungswicklung:
Sobald R3 und T3 den Strom begrenzen, verschiebt der Kollektorstrom
von T3 den DC-Pegel soweit nach oben, dass der untere Spitzenwert des
AC-Anteiles auf C3 gerade ausreicht, um T1 und T2 voll
durchzuschalten. Man erreicht dadurch wieder einen sehr scharf
abgegrenzten kleinen Stromflusswinkel.
Der
positive Spitzenwert kann dann auf über 150 V ansteigen. D1 hält
diese Spannung vom Source des T1 fern.
Diese
Schaltung ist vorzugsweise für höhere Betriebsspannungen
geeignet. Das liegt zum einen daran, dass der Strom außer durch
T1 durch einen Widerstand und einen P-Kanal-MOSFET fließen muss,
was keine hohen Ströme zulässt und zum anderen daran, dass
man bei niedrigen Betriebsspannungen möglicherweise keine
genügend hohe Spannung zur optimalen Ansteuerung von T2 erhält.
Ein
Nachteil der bisher beschriebenen Sinusoszillatoren ist, dass sie nur
stabil arbeiten, wenn der Schwingkreis relativ wenig gedämpft
ist. Dazu kommt der relativ kleine Stromflusswinkel, der keine große
Energiezufuhr zulässt. Man kann solchen Oszillatoren also
nicht sehr viel Energie entziehen, was die Anwendungen bei hohen
Leistungen einschränkt.
Um
Sinusoszillatoren mit hoher Leistungen zu realisieren, benötigt
man einen möglichst großen Stromflusswinkel. Ideal dafür
geeignet ist der sog. Royer-Oszillator, der dem Schwingkreis
permanent Energie zuführt, sofern diese auch entnommen wird.
Genau genommen ist die Bezeichnung "Royer-Oszillator" falsch, da die
von Royer beschriebene Schaltung nur ein einfacher
Gegentakt-Rechteckgenerator war. Der üblicherweise als Royer-Oszillator
bezeichnete Sinusoszillator wurde, soweit das heute noch
nachvollziehbar ist, erstmalig von P. J. Baxandall
beschrieben.
Weite Verbreitung hat dieser Oszillatortyp bei Invertern für CCFL-Röhren gefunden. Er ist traditionell mit 2 bipolaren Transistoren aufgebaut und liefert meistens nur kleinere Leistungen bis 20 W. Neuerdings werden solche Oszillatoren auch mit MOSFETs aufgebaut. Der Vorteil ist, dass man auf die Rückkopplungswicklung vollständig verzichten und problemlos höhere Frequenzen bei höheren Leistungen erzielen kann. Folgende Schaltung ist bereits seit Längerem im Internet im Umlauf:

Royer-Oszillator
mit MOSFETs
Zur
Erklärung der Funktionsweise sollte man sich zunächst die
Drossel Dr durch eine Konstantstromquelle ersetzt denken. Die
Spannung am noch nicht schwingenden Schwingkreis steigt dann an, was
auch zum Anstieg der Gatespannungen der MOSFETs führt. Die Gates
werden über die Widerstände R1 und R2 geladen, die von
einer 12-V-Hilfsspannungsversorgung gespeist werden. Die
Gatespannungen steigen, bis die Drainströme die Drainspannungen
soweit sinken lassen, das die Gatespannungen durch die Dioden D1 und
D2 am weiteren Anstieg gehindert werden. Es stellt sich ein
Gleichgewichtszustand ein, in dem die MOSFETs als analoge Verstärker
arbeiten. Da jeder MOSFET eine Spannungsverstärkung >1 hat
und dabei das Signal in der Phase um 180° dreht ergibt sich
insgesamt ein schwingfähiges System. Da sich der
Gleichgewichtszustand bei Gatespannungen deutlich unter 12 V
einstellt, fließt ein Strom über die Widerstände R1
und R2. Da dieser Strom über die Dioden D1 und D2 fließen
muss sind diese in der Anschwingphase beide leitend und
verbinden damit signaltechnisch jeweils das Gate eines MOSFETs mit
dem Drain des anderen MOSFETs. Ist die Schwingung erstmal in Gang
gekommen, geht die Schaltung sehr schnell vom Klein- in den
Großsignalbetrieb über. Sobald die Drainspannung die
12-V-Hilfsspannung überschreitet, sperrt die jeweilige Diode und
trennt das Gate vom Drain. Das ist wichtig, weil die Gatespannung ca.
20 V nicht übersteigen darf. Die Drainspannung steigt auf min.
die 3-fache Versorgungsspannung des Oszillators und kann damit in den
meisten Fällen oberhalb der 20-V-Grenze liegen.
Beim
Nulldurchgang der Schwingkreisspannung stellt sich kurzzeitig der
Zustand ein, der auch in der Anschwingphase herrscht und bei dem
beide MOSFETs mehr oder weniger leitend sind. Im Gegensatz zur
Anschwingphase ist im stationären Schwingungsfall aber die
gesammte Energie des Schwingkreises in der Schwingkreisspule
gespeichert, sodass dieser undefinierte „Schaltzustand“
der MOSFETs nach kürzester Zeit wieder beendet wird. Die MOSFETs
schalten umso sauberer, je schneller der Nulldurchgang im kritischen
Bereich von +/- 10V durchlaufen wird. Deswegen arbeitet die Schaltung
umso effektiver, je höher die Betriebsspannung ist.
Die
Drossel Dr ersetzt die Konstantstromquelle. Ihre Induktivität
ist i.d.R. Deutlich größer als die der Schwingkreisspule,
sodass der Versorgungsstrom tatsächlich nur mit einem geringen
Wechselanteil überlagert ist. Idealerweise speist man den
Drosselstrom in der Mittelanzapfung der Schwingkreisspule ein. Dort
ist die AC-Amplitude am geringsten und die Frequenz doppelt so hoch
wie am Spulenende, sodass die Drosselspule kleinstmöglich
gewählt werden kann. Genauso ist es aber auch möglich, den
Strom an einem oder mit zwei Drosseln an beiden Spulenenden
einzuspeisen. Die Drossel(n) müssen dann aber stärker
dimensioniert werden.
Die
Schaltverluste der MOSFETs sind vergleichsweise gering, da der
Drainstrom immer im Spannungsnulldurchgang ein- und ausgeschaltet
wird. Der Royer-Oszillator zählt somit zur Gruppe der
ZVS(Zero-Voltage-Switching)-Resonanzwandler. Fälschlicherweise wird
diese Schaltung häufig nur als "ZVS" bezeichnet. Tatsächlich ist das
aber nur eine von vielen Schaltungen bzw. Resonanzwandlern, die im
ZVS-Modus arbeiten.
Die
beschriebene Schaltung ist zwar schon ganz brauchbar, hat aber noch
einige Nachteile: Ein wesentlicher Nachteil besteht im
Anschwingverhalten. Damit der Oszillator zuverlässig anschwingen kann,
muß eine ausreichende Mitkopplung gewährleistet sein. Dazu müssen die
beiden Dioden leitend sein, also von einem ausreichend großen Strom
durchflossen werden. Das ist aber nur dann der Fall, wenn die
Betriebsspannung an den Widerständen um min. 1 Volt höher ist als die
Drainspannung der MOSFETs. Ist der Oszillator noch nicht angeschwungen
oder setzt die Schwingung durch kurzzeitige Überlastung aus, ist die
Drainspannung der MOSFETs identisch mit der Betriebsspannung des
Oszillators. Werden auch die Widerstände mit dieser Betriebsspannung
versorgt, liegt an den Dioden keine Spannung an. Die Dioden sind dann
hochohmig und es kann keine Mitkopplung stattfinden. Es fließt
dabei ein sehr hoher Strom, der die Transistoren
in kurzer Zeit zerstören kann oder zumindest die Versorgungsspannung
bis auf wenige Volt kurzschließt.
Ein weiterer Nachteil ist die Stromzuführung für die Gatespannungen.
Die Widerstände R1 und R2 müssen den
Gatestrom liefern, um die MOSFETs möglichst schnell
einzuschalten. Dazu sollten sie möglichst niederohmig sein.
Andererseits liegt an einem der Widerstände immer die
Hilfsspannung an, was zu einer erheblichen Verlustleitung führen
kann. Man wird also immer einen Kompromiss zwischen
Schaltgeschwindigkeit und Wirkungsgrad finden müssen. Weiterhin
benötigt man eine Hilfsspannung von ca. 12 V die die nicht
unerhebliche Verlustleistung in den Widerständen R1 und R2
aufbringen muss. Bei höheren Betriebsspannungen kann das
ein wesentlicher Nachteil sein.
Um
diesen Nachteil zu beseitigen habe ich folgende Schaltung entwickelt,
die mit einer leistungslosen Hilfsversorgung auskommt und trotzdem
einen sehr hohen Gate-Ladestrom aufbringen kann. Diese Schaltung ist
registriert und geschützt beim DPMA

MOSFET-Royer-Oszillator
mit hocheffizienter Gateansteuerung
Der
Trick der Schaltung besteht darin, dass die Dioden durch
N-Kanal-MOSFETs ersetzt wurden, die mit einer festen Gatespannung von
z.B. 18 V versorgt werden. Bei Drainspannungen unter ca. 12 V sind
diese Steuer-MOSFETs bidirektional leitend und verbinden die Gates
von T1 und T2 mit dem Drain des jeweils anderen MOSFETs. Im
Nulldurchgang der Schwingkreisspannung können die Gates von T1
und T2 nun niederohmig und dementsprechend schnell umgeladen werden.
Sobald die Drainspannung von T1 oder T2 jedoch auf über ca. 15 V
steigt, beginnen die Steuer-MOSFETs zu sperren und trennen die Gates
vom Lastkreis. Da die Gateladung von T1 und T2 nun vollständig
dem Lastkreis entnommen wird, ist keine zusätzliche
Hilfsleistung mehr erforderlich. Lediglich die Gatespannung von T3
und T4 muss leistungslos zur Verfügung gestellt werden, was
sich aber mit Widerstand und Zenerdiode leicht realisieren lässt.
Da T3 und T4 nur den Gatestrom von T1 und T2 liefern müssen,
können sie wesentlich kleiner ausfallen als diese und müssen
i.d.R. Auch nicht gekühlt werden. Sie müssen allerdings die
gleiche maximale Drain-Source-Spannung vertragen wie diese. Eine
Besonderheit dieser Schaltung, die es zu beachten gilt ist, dass Die
Gatespannung von T3 und T4 nicht später angelegt werden darf als
die Betriebsspannung. Da die Gatespannung über R1 und C1 etwas
verzögert wird, könnte die Inbetriebnahme der Schaltung,
wie sie oben abgebildet ist, bereits Probleme bereiten. Steigt die
Gatespannung von T3 und T4 zu langsam an, während die
Betriebsspannung bereits anliegt, bekommen T1 und T2 bereits eine
Gatespannung, bevor T3 und T4 richtig durchschalten um eine
ausreichende Mitkopplung zu ermöglichen. T1 und T2 schalten dann
voll durch, ohne dass eine Schwingung einsetzen kann. Folge ist ein
Kurzschluss der Betriebsspannung. Idealerweise legt man die
Gatespannung von T3 und T4 fest an und schaltet dann die
Betriebsspannung bei Bedarf ein. Soll die Leistung des Oszillators
geregelt werden, kann man einfach einen Buck-Konverter vorschalten.
Die Drossel Dr kann dabei die Funktion der Speicherdrossel mit
übernehmen. Prinzipiell ist es sogar möglich, dass der
Regler mit einer anderen Frequenz arbeitet, wie der Oszillator. Um
gegenseitige Rückwirkungen zu vermeiden, sollte die Drossel dann
aber eine ausreichend hohe Induktivität haben.
Natürlich wäre es wünschenswert, die hocheffiziente Gateansteuerung auch ohne den beschriebenen Nachteil einsetzen zu können, ebenso wie die Erzielung noch höherer Leistungen durch Verwendung von IGBTs. Dazu habe ich die Schaltung folgendermaßen weiterentwickelt, Diese Schaltung ist ebenfalls registriert und geschützt beim DPMA

Royer-Oszillator
mit IGBTs für Leistungen im kW-Bereich
Durch
die Verwendung von IGBTs statt MOSFETs ändert sich an der
Schaltung prinzipiell nichts. IGBTs wird man i.d.R. Dann einsetzen,
wenn der Oszillator direkt mit Netzspannung betrieben wird. Die
C-E-Spitzenspannung der IGBTs beträgt das Pi-fache der
Betriebsspannung, was bei Betrieb an Netzspannung von 230 V ~ eine
Spitzenspannung von ca. 1022 V bedeutet. Da gängige
Standard-IGBTs für Uce bis zu 1200 V zu haben sind, sind sie
ideal für die Anwendung in netzbetriebenen Royer-Oszillatoren.
Bei MOSFETs sieht die Auswahl in diesem Spannungsbereich deutlich
schlechter aus, insbesondere bei höheren Leistungen. Bei Betrieb
an Netzspannung ist natürlich auch eine höhere
Funktionssicherheit erforderlich, insbesondere im Anschwingverhalten.
Um bei nicht schwingendem Oszillator ein volles Durchschalten beider
IGBTs zu verhindern, wird zunächst eine AC-Kopplung (C3 und C4)
eingefügt. Dadurch wird bei noch nicht eingesetztem
Schwingbetrieb die Betriebsspannung sicher von den Gates getrennt. C5
und C6 teilen die Kollektorspannung nochmal auf unter 600 volt
herunter, sodass für die Steuer-MOSFETs handelsübliche
600-V-Typen zum Einsatz kommen können. D1 und D2 stellen sicher,
dass die Gatespannung von T1 und T2 soweit sinkt, dass diese sperren
können.Wegen der AC-Kopplung müssen die IGBTs während
der Anschwingphase mit einer definierten Gate-Vorspannung versehen
werden. Während der Anschwingphase sind T3 und T4 niederohmig,
sodass die Spannungsteiler R2/R4 bzw. R3/R5 die Hilfsspannung von 18V
auf eine Gatevorspannung von ca. 7,4 V herunterteilen. Die
Gatevorspannung wird so gewählt, dass der IGBT verstärkende
Eigenschaften hat und der Oszillator zuverlässig anschwingt.
Ggf. muss die Vorspannung bei Verwendung andere IGBT-Typen
angepasst werden.
Die
Schaltung schwingt übrigens schon bei geringen
Betriebsspannungen so zuverlässig an, dass man den Oszillator
problemlos an der ungesiebten Netzgleichspannung betreiben kann.
Damit ist er gut geeignet für Anwendungen wie induktive
Erwärmung, Lade-, Schweiss-, oder Lampeninverter.
Der
Oszillator sollte keinesfalls ohne Schutzschaltung betrieben werden.
Bei Netzüberspannung kann die 1200-V-Obergrenze der C-E-Spannung
schnell überschritten werden. Da hierzu bereits 20% Überspannung
ausreichen, ist eine genaue Überwachung der Eingangs- oder
C-E-Spannung erforderlich. Alternativ empfiehlt sich auch die
Verwendung von 1500-V-IGBTs, die aber nicht mehr so marktüblich
und vielfältig verfügbar sind.
Falls
der Oszillator, warum auch immer, nicht so richtig in Gang kommt,
kann eine Überstromüberwachung die Zerstörung der
IGBTs verhindern. Die Schutzschaltung darf die IGBTs nicht einfach
abschalten, ohne dass für eine „Entsorgung“ der in
der Drossel gespeicherten Energie gesorgt wird. Andernfalls würde
die Schutzschaltung bei der Auslösung die IGBTs zuverlässig
zerstören. Alternativ kann auch ein vorgeschalteter
Buck-Konverter die Leistung regeln und dabei die Schutzfunktion
übernehmen.
© Jörg Rehrmann 2010