
Bild 8.4 A Die Phasen des regelbaren Gegentakt-Flusswandlers
Rechts ist
die 2. Flussphase zu sehen, in
der die beiden
Schalter geschlossen sind, die in der 1. Flussphase geöffnet
waren. Jetzt liegt wieder die Eingangsspannung an der Primärspule
des Trafos, jedoch mit umgekehrten Vorzeichen. Wegen des
Brückengleichrichters liegt die Sekundärspannung jetzt
wieder mit gleichem Vorzeichen wie in der 1. Flussphase an der
Speicherdrossel an. Die Drossel wird daher auch wieder aufgeladen.
Nach der 2.
Flussphase folgt eine 2. Sperrphase, die mit der 1. identisch ist.
Ich habe daher darauf verzichtet, diese nochmals zu zeichnen. Danach
geht es dann wieder mit der 1. Flussphase weiter. Die Funktion der
Speicherdrossel ist identisch mit derjenigen des Abwärtswandlers.
Die Ausgangsspannung ergibt sich aus der Sekundärspannung
multipliziert mit dem Verhältnis von Gesamtflussdauer zu
Periodendauer. Beim Gegentaktwandler kann die Flussdauer von null bis
fast 100 % der Periodendauer betragen. Eine minimale Sperrphasendauer
(Totzeit) darf nicht
unterschritten werden,
damit sichergestellt ist, dass innerhalb eines Brückenzweiges
niemals zwei Schalter gleichzeitig eingeschaltet sind.
Ein
geregelter Gegentakt-Flusswandler ist immer aufwendiger aufgebaut als
ein einfacher Sperrwandler. Deshalb wird er nur bei höheren
Leistungen zum Einsatz kommen, wo die Vorteile des Flusswandlers im
Bereich Leistungsbauteile überwiegen. Die untere sinnvolle
Leistungsgrenze für den Flusswandler lässt sich nicht
klar festlegen, sie dürfte bei Netzteilen irgendwo zwischen 100
und 200 Watt liegen. Das hängt aber auch von den Ein- und
Ausgangsspannungen ab. Bei niedrigen Ein- und/oder
Ausgangsspannungen ist die Strombelastung der Bauteile bei
Sperrwandlern besonders hoch. Hier kann ein Flusswandler schon bei
niedrigeren Leistungen zum Einsatz kommen. PC-Netzteile, die ja
auch beträchtliche Leistungen bei niedrigen Spannungen abgeben
müssen, werden deshalb sehr gerne als
Gegentakt-Flusswandler aufgebaut.
Genau wie
beim ungeregelten Gegentakt-Flusswandler gibt es auch beim geregelten
drei Grundausführungen. Die Vor- und Nachteile sind jeweils
gleich:
Für
Punkt 1 möchte ich als Beispiel ein 24-Volt-Netzteil
beschreiben. Wie man in Bild 8.4 B sieht, ist der Trafo recht
aufwendig. Diese Version ist daher nur dann zu empfehlen, wenn der
Trafo kostenmäßig nicht zu sehr ins Gewicht fällt.
Die übrige Schaltung gestaltet sich dagegen relativ einfach.
Die beiden MOSFETs können direkt mit dem SG 3525 angesteuert werden.
Die
ungeregelte Version dieser Schaltung habe ich bereits in Bild 8.3 C
gezeigt.
Die
Schutzschaltung ist identisch mit der in Bild 8.3 L gezeigten und
beschriebenen. Auch die Regelschaltung dürfte
Ihnen bekannt vorkommen. Wie Sie sehen, kann man viele der
beschriebenen Funktionsblöcke zu einer großen
Variationsvielfalt kombinieren.

Bild 8.4 B Gegentakt-Netzteil mit Parallelspeisung
Wer einfachere Trafos verwenden will, sollte auf die Halbbrückenversion des Gegentaktwandlers zurückgreifen. Ein großer Vorteil gegenüber der zuletzt beschriebenen Variante ist einmal der, dass man nur noch eine Primärspule braucht und sich zum anderen nicht um die Entsorgung des Streufeldes kümmern muss. Hauptnachteil ist die schwierigere Ansteuerung des Transistors im oberen Brückenzweig. Bei Eingangsspannungen bis etwa 180 Volt lässt sich auch ein P-Kanal-MOSFETs verwenden, um die Ansteuerung im oberen Brückenzweig zu vereinfachen. In Bild 8.4 C ist ein solcher einfacher geregelter Flusswandler zu sehen. Um die MOSFETs ansteuern zu können, muss den einfachen Transistorausgängen des TL 494 noch jeweils eine Gegentaktstufe nachgeschaltet werden. Hier ist es von Vorteil, dass der TL 494 alle Kollektoren und Emitter der Treibertransistoren einzeln herausgeführt hat. Dies ist nämlich nötig, um die gegenpoligen Steuerimpulse von N- und P-Kanal-MOSFETs einfach zu erzeugen.

Bild 8.4 C Halbbrücken-Flusswandler für Eingangsspannungen bis zu 180 Volt
Der TL 494
sollte mit einer Betriebsspannung von etwa 15 Volt versorgt werden.
Bei Eingangsspannungen von 10-20 Volt kann der TL 494 aber auch
direkt mit der Eingangsspannung versorgt werden. Gleichzeitig
vereinfacht sich dann die Ansteuerung von T 3, der dann direkt über
R 5 angesteuert werden kann, da ZD 1, ZD 2, C 5 und R 7
entfallen. Elektronische Sicherungsmaßnahmen sind in
diesem Schaltungsbeispiel nicht eingebaut. Hier empfiehlt sich auf
jeden Fall, zusätzlich zu den üblichen
Sicherungsmaßnahmen in der Versorgungsspannung, der Einbau
einer flinken Sicherung in Serie zur Primärspule.
Sehr häufig
wird man einen Halbbrücken-Flusswandler auch in primär
getakteten 230-V-Schaltnetzteilen einsetzen. Dazu muss die
Halbbrücke für Betriebsspannungen bis mindestens 400 Volt
ausgelegt werden. Bei diesen Spannungen kommen nur noch
N-Kanal-MOSFETs oder IGBTs zum Einsatz. Üblicherweise
steuert man die Schalttransistoren oder zumindest den oberen
Brückenzweig mit einem Steuertrafo an. Eine interessante
Alternative zu den Trafos sind die Gate-Treiber-ICs von IR. Der IR
2110 besitzt je einen Gate-Treiber für den unteren und den
oberen Brückenzweig. Die Betriebsspannung des oberen
Brückenzweiges darf bis zu 500 Volt betragen. Damit eignet sich
das IC hervorragend zur Realisierung von
Flusswandler-Schaltnetzteilen. Die Steuereingänge des IR 2110 lassen
sich sehr einfach mit einem TL 494 ansteuern. In Bild 8.4 D
habe ich ein Schaltbeispiel eines so realisierten Wandlers
aufgezeichnet. Dieses Konzept deckt in etwa den Leistungsbereich von
200-1000 Watt ab.

Bild 8.4 D Geregelter Halbbrücken-Gegentakt-Flusswandler mit Gate-Treiber-IC
Zur
Funktion: Zunächst der Hilfsspannungswandler, den ich in Bild
6.1 M bereits ausführlich
beschrieben habe, die Betriebsspannung der Steuer-ICs. Dieser
Wandler startet mit einem relativ hohen Strom, sodass sich die
Ausgangsspannung schnell aufbaut. Ein schneller Anstieg der
Ausgangsspannung des Hilfswandlers ist nötig, damit ein
kontrollierter Softstart durchgeführt werden
kann. Nach dem Einschalten der Betriebsspannung wird zunächst
der FB-Eingang (Pin 3) des TL 494 über C 8
und D 5 auf etwa 4,5 Volt gelegt, sodass der TL 494 kein
Ausgangssignal erzeugt. Wenn sich C 7 nun langsam auflädt, sinkt
die Spannung an Pin 3 bis auf null. Dabei verringert sich die Totzeit
bis zum Minimum von etwa 0,7 µs. Bei minimaler Totzeit gibt der
Wandler dann seine maximale Leistung ab. Für die Regelung der
Ausgangsspannung kann die sekundärseitige Regelung über
einen Optokoppler die Spannung am DT-Eingang Pin 4 erhöhen, um
die Totzeit nach Bedarf zu
erhöhen. Pin 4
dient der Einstellung der minimalen Totzeit, die sich durch die
Regelung bis auf 100 % der Periodendauer erhöhen kann. Die
sekundäre Regelung ist gewohnt einfach gehalten.
Die
Ausgangstreiber des TL 494 steuern den IR 2110 an, der schließlich
die Endstufentransistoren T 6 und T 7 ansteuert. Die
Kondensatoren C 17 und C 18 bilden eine symmetrische
Gleichspannungsentkopplung,
wie sie in
Halbbrückenschaltungen üblich ist. Für den
elektronischen Überlastungsschutz befindet sich noch ein Stromwandler
(SW) in Serie
zur Primärspule des Wandlertrafos. Mit dem
Mittelpunktgleichrichter D 6 und D 7 wird der um den Faktor 100
reduzierte Primärstrom gleichgerichtet und fließt, je
nach Halbwelle, über R 25 oder R 26. Die an R 24 liegende
Spannung ist dann positiv und proportional zum Betrag des
Primärstromes. Die Schaltung ist so dimensioniert, dass bei ca.
600 mV @ 6 A die Schutzschaltung den
Wandler abschaltet.
Die Werte von R 25 und R 26 müssen ggf. natürlich der
gewünschten Ausgangsleistung angepasst werden.
Da die
beiden Regelverstärker des TL
494 für
die Spannungsregelung nicht gebraucht werden, wurde Verstärker
#1 stillgelegt und Verstärker #2 als thermischer
Überlastungsschutz beschaltet.
Die Diode D 3
dient als Temperatursensor und
muss an einer
dafür geeigneten Stelle, z.B. am Kühlblech, montiert
werden. Der Spannungsteiler R 12, R 13 ist so dimensioniert, dass der
Wandler herunterregelt, wenn die Flussspannung von D 3 geringer
als etwa 300 mV wird. Dieser Wert muss aber in der fertigen Schaltung
ggf. optimiert werden. Natürlich ist der thermische
Überlastungsschutz nur optional und es können beide
Regelverstärker stillgelegt werden.
Bei einem
schnellen Stromanstieg im Störfall, bzw. bei einem Kurzschluss
spricht die aus T 4 und T 5 bestehende Schutzschaltung an. T 4 und T
5 bilden einen Thyristor, der die Betriebsspannung der ICs durch den
Strom in R 19 und R 20 so stark belastet, dass diese zusammenbricht.
Zuvor wird allerdings der Kontrolleingang Pin 11 des IR 2110 sofort
auf logisch 1 geschaltet, damit beide Endstufentransistoren
schnellstmöglich abschalten. Der Thyristor (T 4, T5) bleibt
eingeschaltet, bis die Betriebsspannung zusammengebrochen ist
und der Hilfsspannungswandler abgeschaltet
hat. Da T 4 und T 5 jetzt stromlos sind, können sie wieder
sperren. Währenddessen kann sich C 5 aufladen, bis der
Hilfswandler wieder einschaltet. Bleibt die Störung weiterhin
vorhanden, wiederholt sich dieser Vorgang periodisch.
Die
Anpassung der Schaltung an die gewünschten Ausgangsleistung
erfolgt im wesentlichen über die Dimensionierung der
Leistungsbauteile und der Strommesswiderstände R 25, R 26.
PC-Netzteile sind ebenfalls sehr häufig als Halbbrücken-Gegentakt-Flusswandler aufgebaut. Eine Besonderheit dieser Netzteile besteht darin, dass sehr viele Ausgangsspannungen benötigt werden. Normalerweise würde man so ein Netzteil mehrstufig aufbauen, d.h., man würde zunächst die höchste vorkommende Spannung (hier 12 Volt) erzeugen und die restlichen über Abwärts- und Inverswandler aus den 12 Volt generieren. PC-Netzteile werden aber in großen Mengen gefertigt und deshalb zählt der geringste Materialaufwand. Den erreicht man mit Spezialtrafos mit mehreren Anzapfungen und mit speziellen Speicherdrosseln mit mehreren Wicklungen für die verschiedenen Ausgangsspannungen. Der Nachteil ist, dass sich primärseitig über die Einschaltdauer der Schalttransistoren nur eine Ausgangsspannung regeln lässt. Für die Digitaltechnik werden + 5 Volt und + 3,3 Volt benötigt. Da die Digitalelektronik sehr empfindlich gegenüber Spannungsschwankungen ist, müssen diese beiden Spannungen auf jeden Fall geregelt werden. Üblicherweise wird die 5-Volt-Ausgangsspannung über die Einschaltdauer der Transistoren geregelt. Für Motoren in Laufwerken, Schnittstellen und diverse Analogtechnik werden weitere Spannungen ( - 5 Volt, +/- 12 Volt ) benötigt. Für das Power-Management des Mainboards wird noch eine permanente 5-Volt-Stromversorgung benötigt. ATX-Netzteile besitzen deshalb neben dem eigentlichen Flusswandler noch ein kleines Sperrwandler-Netzteil, dass auch im ausgeschalteten Zustand weiterläuft und leider auch permanent einige Watt Leistung verbraucht. Der Flusswandler wird über eine Steuerleitung (PS_ON), die vom Mainboard kommt, ein- und ausgeschaltet. Das Power-Management auf dem Mainboard übernimmt auch die Abfrage des Power-Tasters, mit dem der Computer ein- oder auch ausgeschaltet wird. Soll ein ATX-Netzteil ohne Mainboard betrieben werden, braucht der PS_ON-Pin am Netzteil-Stecker einfach nur mit Gnd (Masse) verbunden werden. Aus dem Netzteil geht noch eine weitere Signalleitung zum Mainboard: Mit einer logischen Eins (+5 Volt) auf dem Powergood-Pin signalisiert das Netzteil dem Mainboard, dass die Ausgangsspannungen jetzt stabil anliegen und dass die CPU mit der Arbeit (Reset-Routine) beginnen kann. Für die 3,3 Volt gibt es außerdem noch eine Fühlerleitung (Sense), die aber direkt mit dem 3,3-Volt-Ausgang Pin 10 am Mainboardstecker verbunden ist und keinen eigenen Pin am Stecker hat. Wegen des großen Ausgangsstromes bei 3,3 Volt können die Spannungsverluste in den Zuleitungen prozentual so hoch werden, dass eine einwandfreie Funktion der Elektronik nicht mehr gewährleistet ist. Deshalb greift der 3,3-Volt-Regler die Ausgangsspannung direkt am Stecker ab. Damit die Spannungsverluste gar nicht erst so stark ins Gewicht fallen, werden die stark strombelasteten kritischen Leitungen wie Gnd, + 5 Volt und +3,3 Volt mehrfach ausgeführt. In Bild 8.4 E habe ich ein ATX-Netzteil aufgezeichnet, wobei ich die wichtigen Teile, Leistungselektronik und Regelschaltung, im Detail gezeichnet habe. Da ich nicht davon ausgehe, dass jemand so ein Netzteil nachbauen will, habe ich aus Platzgründen auf viele Bauteilangaben und Details verzichtet; es soll nur zum Verständnis dienen. Für Reparaturen oder Änderungen an vorhandenen Netzteilen ist der Plan aber ganz hilfreich. Zunächst durchläuft die Netzspannung einen Netzfilter und Gleichrichter mit Siebelko. An dieser Stelle kann sich in neueren Netzteilen auch eine Leistungsfaktorkorrektur befinden, wobei die Netzgleichspannung dann ca. 400 Volt betragen würde. Die Gleichspannung gelangt auf einen kleinen Sperrwandler, der auf der Sekundärseite zwei Hilfsspannungen von 5 und ca. 10 Volt erzeugt. Die 10 Volt versorgen das Überwachungsmodul und den TL 494, die + 5 Volt das Mainboard. Solange der PS_ON-Pin auf + 5 Volt liegt, gibt das Überwachungsmodul eine Spannung von 4-5 Volt auf die PWM-CTRL-Leitung. Diese Spannung gelangt auf Pin 4 des TL 494 und bewirkt eine Totzeit die größer ist als die maximale Einschaltdauer. Der TL 494 gibt daher kein Ausgangssignal mehr aus und der Flusswandler ist stillgelegt.

Bild 8.4 E Typisches Schaltbild eines ATX-Computernetzteiles
Wird der
Computer eingeschaltet, geht die Steuerleitung PWM-CTRL auf etwa
0 Volt. C 16 bewirkt, dass die Spannung an Pin 4 nur langsam absinkt
und sorgt so für einen Softstart.
Da die
Steuerelektronik mit dem Massepotential der Ausgangsspannungen
verbunden ist, müssen die Schalttransistoren über einen
Steuer(trenn)trafo angesteuert werden. Der Trafo ist im Prinzip so
aufgebaut und beschaltet wie der Steuertrafo des
selbstschwingenden Wandlers in Bild 8.3 E oder in Bild 13.2.2 C Mit
einer Anlaufhilfe könnte auch dieser Wandler primärseitig
selbständig schwingen. Bei alten AT-Netzteilen, die über
kein Hilfsnetzteil verfügten, sonst aber im Prinzip genauso
aufgebaut waren, wurde auf diese Weise sogar das Netzteil angefahren.
Für die kontrollierte Ansteuerung durch die Regelelektronik
besitzt der Steuertrafo noch eine Gegentaktwicklung auf der
Niedervoltseite. Da die Ansteuerung der primärseitigen
Schalttransistoren T 1 und T 2 wegen der Rückkopplungswicklung
selbsthaltend ist, müssen die Treibertransistoren T 3 und T 4
den Steuertrafo kurzschließen, damit T 1 und T 2 sperren
können. Während der Totzeit, wenn beide
Ausgangstransistoren des TL 494 gesperrt sind, werden T 3 und T 4
über R 13 und R 15 voll durchgeschaltet und schließen den
Steuertrafo kurz. Sobald einer der Ausgangstransistoren des TL 494
einschaltet, wird T 3 oder T 4 gesperrt. Über D 6, R 14 und den
jeweils anderen noch durchgeschalteten Treibertransistor fließt
dann ein kleiner Strom durch die Wicklung des Steuertrafos, der dort
eine Spannung induziert. Diese Spannung lässt einen Basisstrom
in T 1 oder T 2 fließen, der wiederum zu einem verstärkten
Kollektorstrom führt. Der Kollektorstrom fließt durch die
Primärspule des Flusswandlertrafos und auch durch die
Rückkopplungswicklung des Steuertrafos. Die Rückkopplung
bewirkt schließlich, dass T 1 oder T 2 voll durchschaltet.
Solange T 3 oder T 4 gesperrt ist, kann sich auf den
niederspannungsseitigen Wicklungen des Steuertrafos eine hohe
Induktionsspannung aufbauen, sodass die Rückkopplung im
Steuertrafo ungestört bleibt. Erst zu Beginn der nächsten
Totzeit, wenn wieder T 3 und T 4 durchgeschaltet sind, wird die
Induktionsspannung des Steuertrafos und damit auch die
Basisspannung von T 1 und T 2 kurzgeschlossen. Auf diese Weise werden
die primärseitigen Leistungsschalter durch den TL 494
kontrolliert. Der Steuertrafo dient gleichzeitig noch zur Überwachung
des primärseitigen Laststromes, der ja durch die
Rückkopplungswicklung fließt. Bei Überlastung des
Primärkreises während der Flussphase wird im Steuertrafo
eine hohe Spannung induziert, die über D 5 gleichgerichtet wird
und auf C 15 gelangt. An einer zu hohen Spannung an C 15 erkennt das
Überwachungsmodul eine Überlastung und schaltet das
Netzteil ab. Die Schutzschaltungen sind meistens so ausgelegt, dass
ein Wiedereinschalten erst nach Aus- und Wiedereinschalten über
die PS_ON-Leitung oder nach Trennung vom Netz möglich ist.
Um die
+5-Volt-Ausgangsspannung regeln zu können, müssen nur die
Eingänge des Regelverstärkers (Pin 1 u. 2 des TL 494)
mit der 5-Volt-Referenzspannung und der Ausgangsspannung verbunden
werden. Um Bauteiltoleranzen ausgleichen zu können wird man in
der Praxis beide Spannungen noch etwas herunterteilen. Die
5-Volt-Ausgangsspannung gelangt von den Trafowicklungen über
die Doppel-Schottky-Diode DD 2, die Mehrfach-Speicherdrossel Dr 2 und
die Siebdrossel Dr 4 auf den Ausgang. Die Elkos C 7 und C 9
dienen der Siebung der Ausgangsspannung. Der TL 494 stellt nun die
Einschaltdauer der primärseitigen Schalttransistoren so ein,
dass die 5-Volt-Ausgangsspannung genau stimmt. Durch das
Übersetzungsverhältnis des Trafos und der
Mehrfach-Speicherdrossel werden dann auch die anderen
Ausgangsspannungen -5 Volt und +/- 12 Volt einigermaßen stabil
gehalten. Diese Spannungen erhalten nur einen Siebelko hinter der
Siebdrossel. Da die Übersetzungsverhältnisse von Trafo
und Speicherdrossel nicht 100%-ig zueinander passen, würden
relativ hohe Ausgleichsströme über die Siebelkos fließen,
die sich direkt hinter der Speicherdrossel befinden. Deshalb wurde
nur die 5-Volt-Ausgangsspannung mit zwei Siebelkos C 7 und C 9
ausgestattet. Für die 3,3-Volt-Ausgangsspannung reicht diese
übersetzungsbedingte Stabilisierung allerdings nicht aus; sie
muss mit einem separaten Regler stabilisiert werden. Die 3,3 Volt
werden aus den gleichen Wicklungen des Trafos gespeist wie die +/- 5
Volt. Zwischen einer Trafowicklung und der Doppeldiode befindet sich
jedoch noch die kleine Schaltdrossel Dr 1. In vielen Netzteilen
werden aus Symmetriegründen auch zwei Drosseln eingefügt.
Die Schaltdrossel ist eine
kleine Ringkernspule
mit wenigen Windungen auf einem hochpermeablen Ferritkern. Die
Induktivität von Dr 1 ist so hoch, dass normalerweise bei der
Schaltfrequenz des Wandlers kein nennenswerter Strom fließen
würde. Allerdings reicht dieser Strom aus, um den Kern der
Drossel in die Sättigung zu treiben. Die Drossel ist so
bemessen, dass der Kern nach etwas weniger als der halben
Einschaltdauer des Schalttransistors, die sich bei einer geregelten
5-Volt-Ausgangsspannung einstellt, in die Sättigung gerät. Die 3,3 Volt
wird ja aus der gleichen Trafowicklung
gewonnen wie die +/- 5 Volt. Eine voll durchgeschaltete
Halbwelle ergibt daher bereits einen Mittelwert von 2,5 Volt. Die
andere Halbwelle wird von Dr 1 auf etwas mehr als die Hälfte
verkürzt, was einem Mittelwert von 1,3 - 1,5 Volt
entspricht. Als Gesamt-Mittelwert ergibt sich dann eine
Ausgangsspannung von 3,8 - 4 Volt, was natürlich noch zu
hoch ist. Über D 16 und R 22 kann nun Dr 1 während der
stromlosen Halbwelle mit einem dem Laststrom entgegengesetzten Strom
vormagnetisiert werden. In der nächsten Stromflussphase
muss sich Dr 1 zunächst entmagnetisieren, bevor sie sich in
Laststromrichtung entgegengesetzt magnetisieren kann. Wurde Dr 1
zuvor bis in die Sättigung vormagnetisiert, kann es nun maximal
doppelt so lange dauern, bis Dr 1 wieder in die Sättigung gerät.
Da bei der einfachen Sättigungszeit bereits fast die Hälfte
der Halbwelle wegfällt, wird bei der doppelten Sättigungszeit
fast die gesamte Halbwelle ausgeblendet. Zusammen mit der anderen
voll durchgeschalteten Halbwelle ergibt sich dann ein
Gesamt-Mittelwert von kaum mehr als 2,5 Volt. Mit dem
Vormagnetisierungsstrom von Dr 1 lässt sich also die
Ausgangsspannung im Bereich von etwa 2,5 - 4 Volt einstellen. Der
maximal nötige Magnetisierungsstrom ist von
der Drossel abhängig und dürfte i.d.R. im Bereich von 100
mA liegen. Die 3,3-Volt-Regelung besteht aus einem TL 431, der den
Steuertransistor T 5 durchschaltet, sobald die Ausgangsspannung 3,3
Volt überschreitet. In T 5 stellt sich also genau der
Vormagnetisierungsstrom für Dr 1 ein, der nötig ist,
damit sich eine Ausgangsspannung von 3,3 Volt einstellt.
Das
Überwachungsmodul hat im Wesentlichen die Aufgabe, die
ordnungsgemäße Funktion des Netzteiles zu überwachen
und dieses bei Fehlfunktion oder Überlastung abzuschalten.
Meistens reicht es, die positiven Spannungen zu kontrollieren. Die
negativen Spannungen sind ja relativ fest mit diesen verkoppelt.
Neben einem Überspannungsdetektor für
die positiven Ausgangsspannungen ist das Überwachungsmodul
häufig auch mit einem Unterspannungsdetektor für die
3,3-Volt- und die +5-Volt-Ausgangsspannung versehen. Die
Unterspannungsdetektoren schalten das Netzteil
ebenfalls ab, wenn die Ausgangsspannungen nicht innerhalb einer
bestimmten Zeit nach dem Einschalten aufgebaut wurden.
Wegen des
niedrigen Preises von solchen Standard-PC-Netzteilen macht es wenig
Sinn diese nachzubauen. Interessant ist es allerdings, diese als
Basis zum Umbau in Netzteile mit anderen Ausgangsspannungen zu
benutzen. Das Problem solcher Netzteile im Originalzustand ist, dass
eine Lastverteilung auf die
verschiedenen
Ausgangsspannungen vorgegeben ist und nur die +5 Volt alleine voll
belastet werden darf, während die anderen Ausgangsspannungen
unbelastet sind. Als einfaches +12-Volt-Netzteil ist so ein
PC-Netzteil nicht zu gebrauchen. Da auch der +12-Volt-Ausgang eines
PC-Netzteiles relativ hoch belastbar ist, wäre es also nützlich,
wenn man das Netzteil so umbaut, dass die +12 Volt stabilisiert
und somit voll belastbar würden. Dazu sind grundsätzlich
zwei Änderungen notwendig: Am einfachsten ist das Umändern
des Regelkreises. In Bild 8.4 E wird die 5-V-Ausgangsspannung direkt
auf den nicht invertierenden Eingang des Regelverstärkers
(Pin 1 des TL 494) gegeben. Diese Verbindung muss unterbrochen und
stattdessen die auf 5 Volt heruntergeteilte +12-Volt-Ausgangsspannung
mit Pin 1 verbunden werden. Im Prinzip hat man damit bereits ein voll
belastbares 12-Volt-Netzteil, allerdings kann es passieren, dass die
nun ungeregelte +5-Volt-Ausgangsspannung bei höherer
+12-Volt-Belastung soweit ansteigt, dass das Überwachungsmodul
anspricht und das Netzteil abschaltet. Da die Überwachungsmodule
oft sehr unübersichtlich aufgebaut sind, ist es u.U. am
einfachsten, sie mit einer stabilen +3,3-Volt- und +5-Volt zu
überlisten. Dazu müssen die Sensoreingänge von den
beiden Ausgangsspannungen getrennt werden. Stabile 5 Volt finden
sich entweder im Hilfsnetzteil oder am Referenzspannungsausgang
Pin 14 des TL 494. Die 3,3 Volt lassen sich einfach mit einer
3,3-Volt-Zenerdiode als Shunt-Regler und einem 100-Ohm-Widerstand aus
den 5 Volt gewinnen. Ohne Änderung des Leistungsteiles dürften
sich bei den meisten Netzteilen auch Ausgangsspannungen bis 15 Volt
erreichen lassen. Das Netzteil hat dann aber weniger
Regelreserve bei zu niedriger Netzspannung. Dazu muss die
Ansprechschwelle des Überwachungsmoduls für Überspannungen
auf dem 12-Volt Ausgang ggf. etwas heraufgesetzt werden. Der Elko C 7
sollte entfernt werden und stattdessen ein zusätzlicher Siebelko
hinter die Speicherdrossel vor der Siebdrossel Dr 3 eingebaut werden.
Etwas mehr
Aufwand würde eine Spannungserhöhung auf z.B. 24 Volt
bereiten. Dazu müsste die Mittelanzapfung der Sekundärspule
des Trafos von der Masse getrennt und die äußeren
Wicklungsenden mit einem Brückengleichrichter verbunden
werden. Im Prinzip ist dieser Brückengleichrichter in Form
von DD 1, D 14 und D 15 bereits vorhanden. D 14 und D 15 müssten
aber durch leistungsstärkere Einzeldioden ersetzt werden. Die
Anoden von D 14 und D 15 werden dann mit Masse verbunden. Die
Verbindungen der Speicherdrossel zu den anderen Ausgangsspannungen
sollte auf jeden Fall unterbrochen werden. Wahrscheinlich muss die
Speicherdrossel sogar durch eine mit vierfacher Induktivität
ersetzt werden. Natürlich sind auch die Siebelkos auf die
24-Volt-Ausgangsspannung anzupassen. Jetzt ist noch zu beachten, dass
die Steuer- und Überwachungselektronik sowie der Lüfter
+5 und/oder +12 Volt Versorgungsspannung benötigen. Diese lassen
sich wegen der geringen Leistungsaufnahme am einfachsten mit einem
Festspannungsregler aus den 24 Volt erzeugen.
Sollen
relativ hohe Ströme (> 10 Ampere) mit einem Flusswandler
übertragen werden, empfehle ich die Verwendung einer
Vollbrücke. Die hat den großen
Vorteil, dass die Wechselstrombelastung der Spannungsquelle und der
Aufwand für Entstörfilter wesentlich geringer ist. Die
Stromüberwachung ist ebenfalls wesentlich einfacher: Am
unteren Brückenzweig lässt sich der Laststrom einfach
mit einem Shunt-Widerstand gegen Masse messen.
Aufwendiger ist dagegen die Ansteuerung der vier Transistoren, von
denen jedoch die zwei im unteren Brückenzweig direkt angesteuert
werden können. Für die Ansteuerung der Transistoren im
oberen Brückenzweig ist der Steuertrafo immer noch die gängigste
Methode. Zwar lassen sich diese Transistoren auch mit Gate-Steuer-ICs
ansteuern, allerdings wären mit den derzeitig verfügbaren
Typen immer noch zwei ICs erforderlich. Ein einziger
Steuertrafo kann dagegen beide
Transistoren im
oberen Brückenzweig ansteuern. Da geregelte Flusswandler
hoher Leistung vorwiegend mit höheren Betriebsspannungen, bzw.
Netzspannung betrieben werden dürften, werde ich mich hier auf
die Beschreibung eines Flusswandler-Netzteiles in Bild 8.4 F
beschränken. Bei niedrigeren Betriebsspannungen wird sich an der
Schaltung ohnehin nichts ändern. Der Strommesswiderstand R 21
sowie die Schutzschaltung kann
und soll bei
niedriger Betriebsspannung entfallen, wenn diese entsprechend
abgesichert ist.
Die
Schaltung in Bild 8.4 F ist weitgehend identisch mit der ungeregelten
Version aus Bild 8.3 L Da
dort bereits der PWM-Regler SG 3525 zum Einsatz
kam, ist eine Möglichkeit zur Steuerung der Pulsbreite schon
vorhanden. Am einfachsten lässt sich die Pulsbreite am Ausgang
des internen Regelverstärkers steuern. Dazu braucht der
Fototransistor des Optokopplers nur zwischen Masse und Pin 9 des SG
3525 geschaltet werden. Auf der Sekundärseite befindet sich die
übliche Standard-Regelschaltung.
Obwohl es
sich um einen Flusswandler handelt, wurde der Kern des Trafos mit
einem kleinen Luftspalt versehen. Dieser dient nur als
Entmagnetisierungshilfe und kann nützlich sein, damit sich der
Kern bei großer Einschaltdauer in der kurzen Totzeit besser
entmagnetisieren kann. Eine unerwünschte Magnetisierung des
Kernes kann durch asymmetrische Fehler der Ansteuerung oder der
Leistungselektronik auftreten. Alternativ kann man auch einen
Entkopplungskondensator mit
einer Kapazität
von mehreren µF (je nach Leistung und Frequenz) in Serie zur
Primärspule schalten. Da am Kondensator keine nennenswerte
Spannung auftritt, würde er trotz der für einen
Folienkondensator hohen Kapazität noch relativ klein ausfallen.

Bild 8.4 F Geregeltes 500-Watt-Flusswandler-Netzteil in Vollbrücken-Ausführung
8.4.1.
Phase-Shift-PWM-Wandler
Bei
Verwendung von Vollbrücken-Flusswandler lässt sich die Vollbrücke auch
in
ganz anderer Weise ansteuern als dies mit den üblichen PWM-Steuer-ICs
möglich ist: Statt mit variabler Einschalt- und Totzeit werden die
beiden Halbbrückenzweige mit konstanter Frequenz, Einschalt- und
Totzeit betrieben. D.h., beide Halbbrücken erzeugen eine
Rechteckspannung mit einem stabilen Tastverhältnis von 50%. Die
Steuerung der Energiezufuhr erfolgt durch eine variable
Phasenverschiebung zwischen den Rechteckspannungen der beiden
Halbbrückenzweige. Die Primärspule des Trafos "sieht" nur die Differenz
zwischen den beiden Rechteckspannungen. Diese Differenz kann null sein,
wenn die Rechteckspannungen gleichphasig sind oder sie ist maximal,
wenn die Spannungen gegenphasig sind. Zwischen diesen Extremen ergibt
sich eine von der Phasenverschiebung linear abhängige Einschaltdauer
der Spannung an der Primärspule.
Diese Art der PWM-Modulation hat zwei große Vorteile:
Aus
diesen Vorteilen ergibt sich auch die Möglichkeit, den Wandler mit
einer vergleichsweise hohen Arbeitsfrequenz zu betreiben..
Der
Nachteil ist, dass die Steuerschaltung deutlich komplizierter
aufgebaut ist als bei einer herkömmlichen PWM-Steuerung, sodass sich
ein Aufbau nur mit speziellen Steuer-ICs lohnt. Der bekannteste
Vertreter solcher Steuer-ICs dürfte der UCC3895 sein.
http://focus.ti.com/lit/ds/symlink/ucc3895.pdf